Profit-Verbot in Krankenhäusern?

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Die Corona Pandemie hat unser aller Leben von jetzt auf gleich auf Pause gestellt. Und während am Anfang noch der Großteil mit den Maßnahmen einverstanden war, wurden in den letzten Tagen immer mehr Stimmen laut, die gegen Maskenpflicht und Co. sind. Es gibt jedoch eine Kritik, die nicht ganz neu ist.
Die Kritik an unserem Gesundheitssystem. Über Jahre habe man das Gesundheitssystem kaputt gespart, Krankenhäuser seien nicht genug vorbereitet gewesen, man hätte nicht genügend Intensivbetten zur Verfügung, um Kosten zu drücken. Wie viel ist Wahres steckt in dieser Kritik und was wäre, wenn Krankenhäuser keinen Profit mehr erwirtschaften dürften?

Der Präsident der Ärztekammer verlangt ein neues Finanzierungsmodell. Er sagte: „Krankenhäuser müssen dem Patienten dienen, nicht dem Profit“. Mögliche Auswirkungen eines Profit-Verbots wären beispielsweise der Ansteig der Zufriedenheit von Patienten und Personal, mehr Zeit für den Einzelnen und weniger unnötige Operationen.

Das Problem mit der Fallpauschale

Tatsächlich wird in Deutschland über eine Fallpauschale abgerechnet. Dazu bringen die Krankenkassen einen Katalog heraus, in dem genau steht, welcher Betrag für welche Behandlung gezahlt wird. Eine Blinddarm Operation kostet beispielsweise 2100€. Viele sehen diese Fallpauschale kritisch. Es gäbe heute zu viele unnötige Behandlungen. Außerdem würden Kliniken versuchen, viele Patienten an einem Tag abzuhandeln, um somit mehr Behandlungen einreichen zu können. Dass da wenig Zeit für den Einzelnen bleibt, ist unvermeidbar. Früher wurde über Tagessätze abgerechnet, doch auch hier wussten Kliniken zu tricksen. Menschen sollten oft länger in den Krankenhäusern bleiben, als notwendig gewesen wäre.

Die Petition „Mensch vor Profit“ setzt sich für ein Beenden dieser „ökonomisch gesteuerten Übertherapie“ ein. Sie fordern die Abschaffung der Fallpauschale, denn dabei ginge es nur ums Geld verdienen. Der Erfolg einer Klinik solle von der Anzahl der positiven Behandlungen abhängig sein, nicht von den Fällen insgesamt. Hinter der Petition steht Ludwig Hammel, ein ehemaliger Leistungssportler, der sieben Jahre lang mit starken Rückenschmerzen von Arzt zu Arzt lief, bis endlich ein Rheumatologe die Diagnose Murbis Bechterew, eine rheumatische Erkrankung, die zum Versteifen der Wirbelsäule führt, stellte.

Morbus-Bechterew-Kranke irren durchschnittlich zehn Jahre von Arzt zu Arzt, bis die Diagnose steht. Viele werden wegen „Bandscheibenvorfall“ unnötig operiert. Warum? Weil damit viel Geld zu verdienen ist.

Ludwig Hammel

Im Gesundheitswesen fehlen 6 Milliarden Euro

In Deutschland sind ein Drittel der Krankenhäuser in privater Hand, ein weiteres Drittel öffentlich und das letzte Drittel gemeinnützlich. Gemeinnützliche Krankenhäuser dürfen bereits jetzt keine Profite erwirtschaften, alle Überschüsse gehen an das Krankenhaus zurück. Trotzdem müssen sie nachhaltig wirtschaften, denn seit Jahren fehlen ausreichende Investitionsförderungen der Länder. Daher werden Stimmen laut, die darauf aufmerksam machen, dass ein Profit-Verbot alleine nichts ändern würde. Krankenhäuser müssen positive Renditen erwirtschaften, wenn sie investieren wollen. Im Normalfall bezahlen die Krankenkassen die Behandlungen und die Ausstattung wird von den Ländern finanziert. Diese Investitionen erfolgen allerdings nicht so, wie sie müssten. Aktuell gibt es eine Lücke von 6 Mrd. Euro für Investitionen im Gesundheitswesen. Das ist so viel, wie der Skandalflughafen BER in Berlin bisher verschluckt hat.

Anstatt also Geld aus den Ländern in die Krankenhäuser zu stecken, werden viele Kliniken privatisiert. Und natürlich wollen Unternehmen nur etwas kaufen, womit sie auch Geld verdienen können. Im besten Fall darf eine Operation also nicht mehr Geld verbrauchen, als durch die Pauschale ausgezahlt wird. Die Konsequenz: Krankenhäuser drücken Kosten wo es nur geht.
Würde man ein Profit-Verbot erlassen, würden sich viele private Investoren aus dem Geschäft zurückziehen. Die Ausgaben des Staates würden zwangsweise steigen. Fehlen diese Steuergelder dann an anderer Stelle? Oder müssten gar die Beiträge erhöht werden?
In Amerika sehen wir ein Gesundheitssystem, das rein nach dem freien Markt ausgerichtet ist. Und jetzt gerade, in Zeiten der Pandemie, sehen wir, wie grandios es scheitert. Unser Gesundheitssystem, darf auf keinen Fall zu einem Ort der Nutzenoptimierung werden. Wir müssen so viel Geld einsetzen wie notwendig. Dahinter steckt der Gedanke der Solidarität, der in Deutschland, einem Sozialstaat, eigentlich so groß geschrieben wird.

Ein Krankenhaus meldet Kurzarbeit an

In der Corona-Krise zeigen sich derweil paradoxe Situationen. So musste die Marienhaus Unternehmensgruppe Mitte April Kurzarbeit anmelden. Da alle nicht notwendigen Operationen eingestellt und Intensivbetten für Corona-Patienten freigehalten wurden, liegt die Belegung der Kliniken bei unter 40%. Das bringt die Unternehmensgruppe in finanzielle Probleme. Die Krise zeigt: leerstehende Betten sind unwirtschaftlich, aber notwendig. Jetzt gerade ist das wichtig, im Alltag aber wird diese Debatte allerdings anders geführt und zwar zu Gunsten der Wirtschaft und selten zu Gunsten der Patienten.

Kuba hingegen überrascht derzeit mit überschüssigen Ärzten wie kein anderes Land. Das Land bildet überdurchschnittlich viele Ärzt aus und hat mit 1:120 eines der besten Ärzte-Einwohner-Verhältnisse der Welt. In Deutschland kommen doppelt so viele Einwohner auf einen Arzt. Natürlich steht hinter diesem Gesundheitssystem die Legitimation des Sozialismus, dessen große Errungenschaften Bildung und Gesundheit darstellen sollen. Man darf das kubanische System nicht idealisieren, auch hier fehlen Medikamente, die Ärzte werden schlecht bezahlt und das Land leidet unter der Wirtschaftskrise. Trotzdem können wir etwas lernen. Zum einen die Fokussierung auf öffentliche Gesundheit, anstatt individuelle Patienten. Das ist jetzt teilweise schon Praxis. Bei knappen Corona-Tests muss entschieden werden, wo diese eingesetzt werden, und diese Entscheidung fällt verständlicher Weise auf Gesundheitspersonal. Weiterhin sollten wir mehr auf Prävention setzen und Reserven einplanen, auch wenn Kapazitäten Kostenfaktoren sind.

Ein Proft-Verbot alleine, wird nicht alle Probleme lösen. Dennoch gibt es Ansätze. Zum Beispiel das Pflegebudget von der Bundesregierung, das bestimmte Leistungen von der Fallpauschale unabhängig machen soll. Oder aber eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Praxen und Krankenhäusern, denn einige Kritiker sagen, in Deutschland gäbe es sogar zu viele Krankenhäuser. Daran wird bereits mit integrierten Notfallzentren gearbeitet, die eine Absprache verbessern soll. Trotzdem bleibt eines: am Ende haben wir nur begrenzte Mittel und müssen entscheiden, wie wir sie am besten einsetzen.

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