Die Angst vor der KI

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„Ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist nicht realistisch. Aber vor 200 Jahren sagten Menschen auch noch, dass es unrealistisch sei, die Sklaverei abzuschaffen, weil die Wirtschaft ohne Sklaven zusammenbrechen würde“

Olli Kangas, Leiter finnische Praxisstudie zum Grundeinkommen

Seit Beginn der Aufzeichnungen hat es in der Geschichte der Menschheit große Umbrüche gegeben. Der wohl größte Umbruch mag die Erfindung der Dampfmaschine gewesen sein, die die industrielle Revolution einläutete. Vielleicht auch der Beginn der kommerziellen Nutzung des Internets. Eines haben diese Umbrüche gemeinsam. Sie veränderten unser Leben und vor allem unsere Arbeitswelt in einem bis dahin nicht denkbaren Ausmaß. Heute stehen wir vor einem neuen Umbruch: der zunehmenden Automatisierung unserer Arbeit durch Roboter und künstliche Intelligenz.

KI und Robotik optimieren den Menschen, sie können ihn aber auch vollständig ersetzen, zum Beispiel beim autonomen Fahren. Natürlich sind wir heute noch weit davon entfernt, eine künstliche Intelligenz zu entwickeln, die diesen Namen wirklich verdient hätte. Dennoch erleben wir schon jetzt, dass mehr und mehr Jobs, die vorher von Menschen verrichtet wurden, von Computern übernommen werden. Und das aus guten Gründen, Maschinen haben keine Krankheitstage, werden nicht müde, sind weniger fehleranfällig und oft auch deutlich schneller. 59% der Arbeitsplätze sind von Technologisierung bedroht, darunter auch zunehmend Bereiche in kognitiv anspruchsvollen Berufen, wie Banken und Verwaltungen. Weniger ersetzbar sind empathische Tätigkeiten, wie Pflege oder Lehrberufe.

Obwohl uns KIs und Robotik erst einmal Angst machen, eröffnen sich uns damit jedoch enorm viele Chancen. Wenn Arbeitsplätze wegfallen, eröffnen sich anderer Orts neue Berufe, an die wir jetzt noch nicht einmal denken können. Ein gutes Beispiel dafür ist die Landwirtschaft. In den letzten 100 Jahren sank der Anteil der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft von 38% auf 2%. Und trotzdem gibt es nicht hunderte arbeitslose Landwirte. Aber um das digitale Zeitalter weniger als Bedrohung und mehr als Chance zu verstehen, muss sich das gesellschaftliche und individuelle Verständnis von Arbeit ändern. Arbeit, die bisher nicht vergütet wurde muss in den Fokus rücken, ebenso wie die Freiheit, seine Kinder großzuziehen, seine Eltern zu pflegen, sich schlechten Arbeitsbedingungen zu widersetzen und sich künstlerisch auszuleben.

Wie erreichen wir dieses Umdenken? Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.
Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens wird schon seit vielen Jahren diskutiert. Befürworter und Gegner streiten sich um die Finanzierung, mögliche Effekte und darum, ob der Mensch nun von Natur aus faul ist oder nicht. Generell soll ein bedingungsloses Grundeinkommen aber erst einmal vier Dinge sein:

  1. Existenzsichernd und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichend
  2. Es besteht ein indivudeller Rechtsanspruch für jeden Menschen
  3. Wird ohne Bedürftigkeitsprüfung und
  4. ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen ausgezahlt

Die Liste an möglichen Effekten und Vorteilen ist lang. Das Netzwerk Grundeinkommen hat auf ihrer Website eine ausführliche Auflistung zusammengestellt. Allgemein kann man sagen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen zu mehr Autonomie auf beiden Seiten des Arbeitnehmer – Arbeitgeber Verhältnisses führt. Arbeitgeber werden von der Verantwortung befreit, Jobs zur Verfügung stellen zu müssen und Arbeitnehmer erhalten die Möglichkeit der Nicht-Erwerbstätigkeit bzw. einer sonnvollen Tätigkeit außerhalb der Erwerbsarbeit. Das führt zu Förderung von Bildung und Familien, sowie ehrenamtlichen Tätigkeiten und Kreativität. Je zufriedener die Menschen in ihrem Job sind, desto effektiver und motivierter arbeiten sie auch. Zusätzlich würde ein Grundeinkommen zur Wahrung der Würde aller Menschen beitragen und die Stigmatisierung von Erwerbslosen und Sozialhilfebeziehern beseitigen.

Wenn das alles so positiv klingt, warum schlagen wir uns dann immer noch mit Hartz IV herum? Die Antwort ist recht einfach, denn wie meistens im Leben, geht es ums Geld. Zum einen gibt es eine Diskussion über die richtige Höhe des Betrags zum anderen über die Finanzierung. Zwar werden einige steuerfinanzierte Sozialleistungen, wie z.B. Bafög, überflüssig, trotzdem sind zusätzliche Steuern nötig, um das Grundeinkommen zu finanzieren. Dazu gibt es verschiedene Modelle, von einer Einkommenssteuer bis zur alleinigen Mehrwertssteuer. Langfristig würde dieses Vorgehen zu einer Umverteilung des Besitzes führen und das ist wirklich ein hoch emotionales Thema.

Auf der anderen Seite steht die Frage der Effekte. Niemand weiß, ob die Vorhersagen eintreten, wie erwartet, zusätzlich steht die Angst vor einer Inflation im Raum. Hier kann man jedoch sagen, dass keine allgemeine Preiserhöhung zu erwarten ist, dafür aber eine neue Struktur. Güter, die unangehme Arbeit erfordern werden langrfristig teurer werden. Zu Beginn würde der Konsum in den ärmeren Schichten tatsächlich deutlich ansteigen, doch auf Lange Sicht wird Neid- und Statusgesteuerter Konsum zurückgedrängt.

Bleibt die Frage, ob die Menschen dann einfach gar nichts mehr tun und den ganzen Tag zu Hause auf der Couch liegen bleiben. Menschliches Verhalten lässt sich schwer vorhersagen, dennoch gibt es im Menschen den Drang, sich selbst zu bewähren. Selbstwirksamkeit ist eines der drei menschlichen Grundbedürfnisse. Es bedeutet, dass man sich danach sehnt, dass seine Handlungen Folgen tragen. Es gibt also durchaus eine innere Motivation zur Arbeit. Aber eben zu Arbeit, die Spaß macht, die man gerne macht, die einen fordert und fördert. Repetitives Eintippen von Zahlen in eine Excel-Tabelle hat damit wenig zu tun. Zusätzlich wird es immer die Motivation geben, ein dauerhaft höheres Einkommen zu erzielen. Das Grundeinkommen wird nie für Annehmlichkeiten wie Luxus verwendbar sein. Es geht um die alleinige Existenzsicherung. Eigentlich ein Grundrecht.

In Finnland wurde im Februar eine Studie bezüglich des Grundeinkommens abgeschlossen. Der Leiter der Studie, Olli Kangas, bestätigte, die Studie zeige, dass das Einkommen die Menschen nicht fauler macht. Es sei eine deutliche Zunahme der Zufriedenheit im Leben verzeichenbar gewesen, ebenso wie die Ausprägung des Gefühls, mit dem zur Verfügung stehenden Geldes zurecht zu kommen.

Wir müssen uns mit Technologisierung auseinandersetzen. Es ist ein Wettrennen, das der Mensch so nicht gewinnen kann, aber wir können unsere eigenen Regeln aufstellen. KI und Robotik können Hand in Hand mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gehen. Sie können Jobs übernehmen, die Menschen nicht machen wollen, weil sie zu repetetiv, gefährlich oder belastend sind und ermöglichen der Menschheit damit eine nie gekannte Freiheit. Die Freiheit über seinen Arbeitsplatz zu entscheiden, fern von der Prämisse „Hauptsache Arbeit“. Weil wir das nicht mehr brauchen. Ist das nicht schon ein bisschen Utopie?

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