Bitcoin: Wilde Spekulation auf kosten der Umwelt?

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Bitcoin, die dezentrale Kryptowährung, wird immer populärer. Nach dem Hype von 2017 (1 BTC = ca. 16.500 EUR) sind neue All-Time-Hights gebrochen, nein, sogar verdoppelt worden (1 BTC = 40.000 EUR). Mit steigenden Preisen wird auch wieder mehr Aufmerksamkeit auf Bitcoin gerichtet, jetzt auch von großen Unternehmen. MicroStrategy hat für über 1 Milliarde US-Dollar schon Bitcoin gekauft und es ziehen immer mehr nach, wie z. B. Tesla. Doch neben der hohe Volatilität, der kurzen Historie und einem Interessenskonflikt mit Staaten und Notenbanken ist auch die Umwelt massiv von Bitcoin getroffen. Durch „Miner“ wird Computer-Rechenleistung (Proof of Work) bereitgestellt und damit Bitcoin gesichert. Im Gegenzug bekommen die Miner Bitcoin als Belohnung. Je wertvoller Bitcoin wird, desto profitabler wird das Mining und umso mehr Rechenleistung wird für dich Sicherung von Bitcoin investiert. Mit katastrophalen Folgen für die Umwelt.

Wie schädlich ist Bitcoin für die Umwelt?

Beim Minen spielt die Hashrate eine zentrale Rolle. Vereinfacht gesagt gibt die Hashrate die Geschwindigkeit an, mit der komplexe Rechenoperationen durchgeführt werden. Je höher die Hashrate, desto sicherer ist Bitcoin vor Angriffen wie der 51% Attacke (vereinfacht heißt das, dass ein Miner über 51% der Rechenpower und damit die Kontrolle über das Sicherheitssystem hat). Und daher wird Bitcoin mit steigender Rechenleistung immer sicherer. So hat sich die Hashrate von Bitcoin in den letzten 3 Jahren ca. versiebenfacht, von ungefähr 20 Eh/s auf 150 Eh/s.

Für diese Rechenleistung wird natürlich eine Menge Strom benötigt. Wie die Forscher des Cambridge Centre for Alternative Science im September 2020 in einer Untersuchung errechnet haben, nutzen 76 Prozent der Miner erneuerbare Energien. Doch was auf den ersten Blick positiv klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als nur die halbe Wahrheit. Denn der Anteil des tatsächlich grünen Storms ist mit 39 Prozent nur in etwa halb so groß. Forscher der TU München im Jahr 2019 versuchten herauszufinden, wie derjährliche CO2 Ausstoß der Energie, die fürs Mining benötigt wird, ist. Das Ergebnis ihrer Studie: Das Schürfen der Kryptowährung sorgte für bis zu 22,9 Millionen Tonnen C02. Grundlage der Berechnungen war ein jährlicher Energieverbrauch von rund 46 Terawattstunden, den das Forscherteam mit Stand 2018 ermittelte. Jedoch ist der Verbrauch mit der Hashrate weiter gestiegen. Laut des Centre of Alternative Finance der britischen Universität Cambridge verschlingt Bitcoin somit aktuell eher 250 Terawattstunden Stunden pro Jahr. Wenn sich an der Stromnutzung nicht viel geändert hat, dann würde das Bitcoin-Mining jetzt schon über 100 Millionen Tonnen CO2 verursachen.

Diese Summen kann wohl keiner mehr richtig greifen. Im Vergleich dazu: In Deutschland produzieren wir laut den Rechnungen des Umweltbundesamts im Schnitt 11,17 Tonnen CO2 pro Jahr und Kopf. Bei 83,1 Millionen Menschen in Deutschland wären das ca. 928 Millionen Tonnen CO2. Nimmt man an, dass sich Bitcoin weiter wie in den letzten Jahren entwickelt, dann wird Bitcoin wohl in ca. 5 Jahren mehr CO2 produzieren als die gesamte Bundesrepublik Deutschland.

Wie der Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index zeigt, sind die Mining-Aktivitäten mit einem Anteil von gut 70 Prozent in China mit Abstand am größten, gefolgt von den USA und Russland mit jeweils rund 5 bis 6 Prozent. Warum? Weil dort das Mining durch die niedrigen Stromkosten besonders profitabel ist.

Proof of Stake, Regulation und Spacechains

Lassen sich Bitcoin und Nachhaltigkeit also überhaupt vereinen? Ein Ansatz könnte darin bestehen, die zugrundeliegende Technologie beim Mining zu ändern. Statt der Rechenleistung (Proof of Work) könnte das „Sperren“ von Kryptowährungen als seltene Ressource für die Sicherstellung von Bitcoin eingesetzt werden (Proof of Stake). Diese Methode verbraucht weniger Strom und wird etwa vom zweitgrößten Blockchainprojekt Ethereum vorangetrieben. Aktuell arbeitet Ethereum an Ethereum 2.0, sodass Schritt für Schritt weniger Proof of Work und mehr Proof of Stake genutzt wird. Doch gerade die hohe Rechenleistung macht Bitcoin aktuell so sicher und eine Umstellung dauert Jahre, wie man aktuell bei Ethereum erlebt.

Daher könnte ein leichter umzusetzender Ansatz darin liegen, Mining dort zu betreiben, wo genügend Strom aus regenerativen Quellen vorhanden ist, sagt etwa Christian Stoll, einer der Autoren der Studie von der TU München. Auch ein staatlicher Eingriff wäre vorstellbar, sodass beispielsweise Mining staatlich reguliert wird und an feste Umweltauflagen gebunden ist.

Einen anderen Ansatz hat Ruben Somsen mit Spacechains aufgezeigt. Hier ist die Grundidee, dass jedes weitere, dezentrales Projekte an Bitcoin „angehangen“ wird. Somit wären alle Projekte so sicher, wie es die „Hauptchain“ Bitcoin ist. Das würde selbstverständlich den Fußabdruck von Bitcoin nicht verbessern, aber eine Möglichkeit bieten, dass zukünftige Projekte nicht noch mehr Energie verbrauchen.

Fazit

Bitcoin frisst aktuell ca. 100 Millionen Tonnen CO2 und ist somit für über 10% des Ausstoßes von ganz Deutschland verantwortlich. Jedoch könnten andere Projekte mit Proof of Stake und staatliche Regulationen die Folgen von Bitcoin massiv senke. Alternativ könnten auch Spacechains zumindest dafür sorgen, dass zukünftige Projekte nicht noch zusätzlich hunderte von Terawattstunen Energie verbrauchen. Denn an dem dezentralen Trend wird sich mit den frischen Einstiegen großer Unternehmen nicht viel ändern – im Gegenteil, es deutet immer mehr darauf hin, dass Bitcoin keine Spekulation ist, sondern ein Teil unserer Zukunft wird!

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