Endlagersuche für Atommüll – Die ungelöste Aufgabe der nächsten Generationen

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Nach dem Atomunglück in Fukushima hat sich die Bundesregierung mit dem Energiekonzept vom 6. Juni 2011 für den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 entschieden. Was uns nach 2022 aber noch bleibt, ist der radioaktive Abfall aus den rund 60 Jahren der Kernenergie in Deutschland.

Als 1960 das Atomkraftgesetz in Deutschland verabschiedet wurde, sind die Folgen der Nutzung von Kernenergie und der anfallende Atommüll noch kein Thema. Trotzdem wird schon länger als man wahrscheinlich vermuten würde, nach Endlagerstandorten gesucht. Bereits 1977 wurde der erste Standort (Gorleben in Niedersachsen) als Entsorgungszentrum und mögliches Endlager ausfindig gemacht, wobei dieser mittlerweile nicht mehr für eine Endlagerung infrage kommt. Seitdem sind mehrere Gesetze zur Endlagerung und zur Organisationsstruktur der Endlagerung in Kraft getreten. 2014 wurde außerdem die Endlagerkommission gebildet.

Es ist allerdings nicht nur diese Kommission mit dem Titel „Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“ für die Suche nach geeigneten Orten für die Endlagerung zuständig. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) ist die Kontroll- und Aufsichtsbehörde, hat die Aufgabe der Beteiligung der Öffentlichkeit und bietet auf seiner Website ein breites Informationsangebot an. Außerdem ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbh (kurz: BGE mbh) an dem Verfahren beteiligt, schlägt zu erkundende Standorte vor und erarbeitet Prüfkriterien.

Die Komplexität der Endlagersuche zeigt sich nicht nur durch die Anzahl der beteiligten Akteure. Auch die verschiedenen Kategorisierungen und Unterscheidungen des Atommülls deuten auf die Vielschichtigkeit der zu beachtenden Anforderungen bezüglich der Standorte hin. Bei radioaktivem Abfall wird zwischen schwachradioaktivem, mittelradioaktivem und hochradioaktivem Atommüll differenziert. Deutschland teilt zusätzlich noch in wärmeentwickelnde Abfälle und Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung ein, da dieser Aspekt enorme Folgen auf die geforderten Voraussetzungen für einen Standort hat und sich die Lagerung unterscheidet.

Grundsätzlich wird der entstandene Atommüll im ersten Schritt in CASTOR-Behälter verpackt. Da der Abfall sehr lange strahlt, muss für die richtige Entsorgung die Direktstrahlung abgeschirmt werden und dafür gesorgt werden, dass keine radioaktiven Stoffe austreten können. Die Lösung für den Abfall mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung ist bereits gefunden. Dauerhaft soll der Müll in tiefen geologischen Schichten gelagert werden. In Salzgitter in der Nähe von Niedersachsen wird ein Endlager für bis zu 303.000 Kubikmeter Atommüll in tiefen Gesteinsschichten gebaut und soll bis 2027 fertig gestellt werden. Komplizierter sind die Lageroptionen für wärmeentwickelnde Abfälle, da diese hohe Aktivitätskonzentrationen haben. Sie machen zwar nur 5% des gesamten Atommülls in Deutschland aus, enthalten jedoch 99% der Radioaktivität, die die gesamten radioaktiven Abfälle aufweisen. Für diese hochradioaktiven Abfälle werden in Deutschland derzeit noch Endlagerstandorte gesucht. Diese Abfälle bestehen meist aus Brennelementen von Atomkraftwerken oder Forschungsreaktoren und machen in Deutschland eine Menge von 27.000 Kubikmetern aus.

Die Standortsuche für den hochradioaktiven Atommüll erfolgt nach drei Schritten. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbh macht Vorschläge für mögliche Standorte gemäß den im Standortauswahlgesetz festgelegten Ausschlusskriterien und den fünf Mindestanforderungen. Das Gesetz legt zum Beispiel fest, dass Gebiete, die von Vulkanismus oder negativen Einflüssen aus bergbaulicher Tätigkeit betroffen sind, direkt ausgeschlossen werden. Außerdem sind bestimmte Mindestanforderungen für geeignete Standorte vorgeschrieben, unter anderem, dass zwischen dem Endlager und der Erdoberfläche eine mindestens 300 Meter dicke Gesteinsschicht liegen muss. Diese sollte ausreichend mächtig sein und kann bspw. aus Tongestein, Steinsalz oder Kristallingestein (z.B. Granit) bestehen. In einem Zwischenbericht vom 28. September 2020 stellt die Bundesgesellschaft für Endlagerung 90 Gebiete vor, die für ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll infrage kommen könnten und die geologischen Kriterien erfüllen.

Neben diesen ersten Untersuchungen und Vorschlägen soll in diesem Schritt vor allem die Öffentlichkeit mit einbezogen werden, um die Teilgebiete weiter einzugrenzen. Zur Beteiligung der Bürger gibt es unter anderem die Veranstaltungsreihe „Fachkonferenz Teilgebiete“, die von dem BASE organisiert wird und auch im Moment noch stattfindet.

Anschließend gibt es in der zweiten Phase obertägige Erkundungen der Gebiete mit Probebohrungen, die von der BGE mbh durchgeführt werden und je nach Eignung für die dritte Phase vorgeschlagen werden. Dieser Vorschlag wird von dem BASE geprüft und vom Bundestag darüber entschieden.

Im dritten und letzten Schritt erfolgt eine untertägige Untersuchung an mindestens zwei Standorten. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Gesteinsuntersuchungen und -bohrungen und dem Beteiligungsverfahren wird eine Empfehlung für einen Standort gegeben. Der Bundestag stimmt abschließend mit einem Gesetz über den Lagerungsort ab. Dieses dreischrittige Auswahlverfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen, sondern dauert bis 2031.

Die Suche nach sicheren Orten für die Lagerung von Atommüll ist also noch nicht vollendet. Obwohl es bereits geeignete Möglichkeiten für schwach- und mittelradioaktivem Abfall gibt, wird uns die Erkundung der Gebiete und die Debatte zur Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen wahrscheinlich noch Jahre begleiten. Wenn ihr euch weiter informieren wollt oder euch aktiv an der Suche nach Lösungen beteiligen wollt, könnt ihr euch die Website des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung anschauen. Dort findet ihr die genauen Daten zu der Öffentlichkeitsbeteiligung und den Veranstaltungen, an denen man teilnehmen kann.

Weitere empfehlenswerte Websites und Beiträge zum Einlesen in das Thema sind diese hier:

https://www.bge.de/de/

https://www.endlagersuche-infoplattform.de/webs/Endlagersuche/DE/_home/home_node.html

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/atommuell-endlager-radioaktiv-deutschland-100.html

Gorleben und der Atommüll – Eine Chronik | NDR.de – Geschichte – Orte

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