Kinderarbeit in Kosmetik – die schmutzige Gewinnung von Mica

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Kosmetikprodukte gehören für viele Menschen zur Morgenroutine. Sei es Lippenstift, Puder, Cremes oder Zahnpasta – diese Produkte sind Bestandteil unseres Alltags.

Ungefähr 9500km weiter in Indien sieht der Alltag für über 20.000 Kinder ganz anders aus. Denn Indien gehört, wie beispielsweise auch Madagaskar, China oder Brasilien, zu den Hauptexporteuren des Minerals Mica und liefert 30% des Rohstoffes nach Europa. Im Norden des Landes im Bundesstaat Jharkhand wird Mica illegal in Minen geschürft und dies nicht nur von erwachsenen Arbeitenden, sondern vor allem auch durch Kinderarbeit.

Mica ist ein natürliches Mineral und ein Inhaltsstoff, der zum Beispiel in Kosmetikprodukten, Smartphones, Autolacken oder auch Haartrockner verwendet wird. Der Zusatzstoff wird auch Glimmer genannt, da er für den Glanz und Glitzer in den Gegenständen sorgt. Außerdem hat es eine isolierende Wirkung. Das Mineral wird unter Tage abgebaut und kommt in Sandstein, Marmor oder Granit vor.

Problematisch an Mica ist hauptsächlich die Gewinnung. Neben dem Abbau in verbotenen Gebieten, die unter Naturschutz stehen, spricht die NGO „terre de hommes“ von bis zu 22.000 Kindern, die illegal in Indiens Minen arbeiten. Das Mineral wird dabei unter schwersten und lebensgefährlichen Bedingungen abgebaut. In die 20 Meter tiefen, selbst gegrabenen Schächte dringt kein Licht, die Luft ist stickig, es gibt Schlangen und es herrschen Temperaturen von bis zu 45 Grad. Außerdem gibt es keine sichernden Stützbalken und es kommt immer wieder zu Einbrüchen, wodurch jeden Monat ein Dutzend Menschen sterben. Zahlreiche arbeitenden Kinder leiden an Erkrankungen, die die Atemwege betreffen oder Schnittwunden und Knochenbrüchen.

Trotz der Gefahren arbeiten rund 300.000 Menschen aus insgesamt 847 Dörfern in den Minen in Nordindien. Der Abbau ist für ehemalige Landwirte beispielsweise oft die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen, da die durch den Klimawandel entstehenden Dürren nährstoffarme und unbrauchbare Böden hinterlassen. Auch die arbeitenden Kinder benötigen die Erträge, zum Beispiel um sich Schulsachen zu kaufen. Die Löhne, die für die harte Arbeit gezahlt werden, sind so gering, dass sie nicht für sättigende Portionen reichen und viele Kinder unterernährt sind.

Staatliche Unterstützung oder Hilfsprogramme gibt es nicht, jedoch haben sich eine Gruppe von Unternehmen zusammengeschlossen und die Responsible Mica Initiative (RIM) gegründet. Diese hat das Ziel, bis 2023 nur noch legal abgebautes Mica zu kaufen und sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen.

Doch wie betreffen uns diese Umstände und was können wir dagegen machen?

Da wir die Konsumierenden der Produkte sind, die Mica enthalten, können wir uns beim Kaufen von Produkten aktiv gegen oder für den Inhaltsstoff entscheiden. Die INCI-Nummer CI77019 weist darauf hin, dass Mica enthalten ist, sagt jedoch nichts darüber aus, ob er unter fairen und legalen Bedingungen abgebaut wurde. Eine Mitgliedschaft in der RMI zeigt jedoch die Position und das Engagement der Unternehmen. Unter anderem sind Kosmetikfirmen, wie Sephora, Chanel oder L’Oréal und Autoproduzenten, wie Porsche und Daimler dabei. Trotzdem garantiert der Beitritt in die Initiative nicht, dass das Mineral ohne Kinderarbeit und auf legale Weise geschürft wurde. Daher ist ein Verzicht auf Produkte mit Mica die sichere Variante, um Kinderarbeit zu boykottieren.

Die Liste mit den Mitgliedern der Initiative findet ihr hier.

Weitere Informationen gibt es außerdem auf der Website von „terre de hommes“.

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