Klimagipfel in Glasgow: Mehr Wald bis 2030?

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Der Mensch will Holz und vor allem Platz: Jedes Jahr werden deshalb rund 300.000 Quadratkilometer Wald abgeholzt – der absolute Großteil davon, ohne wieder aufgeforstet zu werden. Das entspricht etwa einer Fläche von 84 Fußballfeldern pro Minute. Für das Klima ist das eine massive Belastung. Wälder und vor allem Regenwälder sind nicht nur einer der effektivsten CO²-Speicher und Sauerstoffproduzenten der Erde sondern auch Heimat unzähliger Tier- und Pflanzenarten, denen durch die Abholzung der Lebensraum entzogen wird.

Auf dem COP26 haben nun insgesamt 124 Staats- und Regierungschefs ein Ende der Rohdung beschlossen – zumindest auf dem Papier. Der Beschluss sieht vor, dass in 2030 weltweit mehr Waldflächen existieren sollen, als heute. Klimaexperten sind sich weitgehend einig, dass ein Einhalten des Pariser Abkommens ohne eine solche Abmachung völlig ausgeschlossen gewesen wäre. Der Beschluss ist vor allem deshalb auch so relevant, weil im Gegensatz zu bisherigen Beschlüssen auch für den globalen Waldbestand wichtige Schlüsselländer wie Brasilien, Russland, China oder der Kongo unter den unterzeichnenden Staaten sind. Gestützt wird der Deal mit einer Rekordsumme von rund 19,2 Milliarden US-Dollar aus staatlichen und privaten Händen.

„Es gibt Gründe, begeistert zu sein […], aber es gibt auch signifikante Herausforderungen“, analysiert Matt McGrath, Umweltkorrespondent der BBC. Bereits 2014 habe man beschlossen, die Abholzung der globalen Wälder bis 2020 zu halbieren. Dieses Ziel wurde weit verfehlt. Das größte Problem bei der Einhaltung solcher völkerrechtlicher Verträge scheint die fehlende rechtliche Bindung an diese zu sein. Ganz bewusst steht auch in dem neuen Vetrag keine Konsequenz für Länder, die sich nicht an die Vereinbarung halten. Es gibt keinen internationalen Gerichtshof für völkerrechtliche Vertragsbrüche.

Entsprechend vorsichtig ist auch der britische Umweltminister George Eustice, sein Land ist Gastgeber des Klimagipfels, in seinen Formulierungen: „Wir sollten sehr glücklich sein, wenn sich Länder beteiligen. […] [Der Vertrag] geht aber nicht soweit darin, Durchsetzungsmechanismen zu besprechen, das ist auch nicht die Natur solcher Abkommen“.

Andere Experten wie der Ökologe Dr. Nigel Sizer vom World Ressources Institute (WRI) kritisieren nicht nur die vertraglichen Rahmenbedingungen des Papieres. Das Abkommen sei zwar ein „big deal“, aus seiner Sicht hätten die Staaten aber kurzfristigere Ziele setzen sollen: „Wir stehen einem Klima-Notfall gegenüber, uns nun zehn weitere Jahre zu geben, um das Problem anzugehen, scheint dem nicht ganz angemessen zu sein. […] Aber vielleicht ist nur dies realistisch und das beste was [die Regierungschefs] erreichen können.“

Tatsächlich ist es unwahrscheinlich, dass Staaten wie Brasilien unter Präsident Jair Bolsonaro und einer florierenden Holz- und Agrarwirtschaft sich unter Bedingungen wie Vertragsstrafen oder enggesteckten Zielen auf einen entsprechenden Vertrag eingelassen hätten. Die Vereinbarung beweist, wie schwierig die Bekämpfung des globalen Klimawandels im Rahmen nationalstaatlicher Verflechtungen auch in Zukunft werden wird. Um ernsthafte Kontrollmechanismen einzuführen, bedürfte es der Zustimmung der beteiligten Staaten, und bedeutete einen Eingriff in deren Souveränität. Das wird so schnell nicht passieren. Allein durch Vetrauen werden die Wälder dieser Welt nicht aufgeforstet werden.

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