Queeres Empowerment in den Medien – am Beispiel von RuPaul’s Drag Race

Gepostet von

von Maline Zahner, Biologie- und Englischstudentin an der Universität Hamburg

Bildquelle: CRHIS via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 2.0

Seit 2009 erobert RuPaul’s Drag Race die Welt. Die preisgekrönte amerikanische Reality TV-Show in der Drag Queens gegeneinander antreten, feiert Diversität, Liebe und Einzigartigkeit. Drag Queens sind meist, aber nicht ausschließlich, Cis-Männer, also Personen, denen bei Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde und die sich auch als Mann identifizieren. Dabei sollten Drag Queens nicht mit trans-Frauen verwechselt werden, denn Drag ist eine Kunstform, die unabhängig von Geschlecht und Identität einer Person ist.

Disclaimer: als eine Person, die nicht Teil der queeren Community ist, ist es sehr wichtig zu betonen, dass ich nicht im Namen queerer Personen spreche. Ich bekunde meine Meinung als Ally queerer Menschen und spreche somit nicht für die Community, aber tue meine Unterstützung für sie kund. Ally bedeutet in diesem Kontext auch Verbündete*r, Unterstützer*in und Fürsprecher*in.

Zuschauer*innen weltweit werden von RuPaul Andre Charles, dem Gründer und Namensgeber der Serie, in die Welt des Drags eingeführt. Als eine Dragikone der 90er Jahre gelangte er zu Popularität und tritt in seiner Show zugleich als Moderator und Jury-Mitglied auf. Dabei ist RuPaul out of Drag, also nicht in voller weiblicher Montur, Moderator, und RuPaul in Drag, also im weiblichen Dress, das Jury Mitglied mit der Entscheidungsmacht über die Kandidat*innen.

Natürlich ist RuPaul’s Drag Race als Reality TV-Show ganz und gar nicht frei von Drama, aber stilvoll eingebaute gesellschaftskritische Aufgaben, die von den Kandidat*innen bewältigt werden müssen, wie beispielsweise Trump: The Rusical (Rusical als ein Wortspiel aus Musical und RuPaul), zeigen immer wieder wie viel mehr als nur eine Reality TV-Show RuPaul’s Drag Race wirklich ist. In dieser Herausforderung wurde die Politik Donald Trumps parodiert. Entsprechend dieses Beispiels werden meist relevante Probleme der LGBTQIA+ und/oder der BPoC Communities behandelt und regen das Publikum an weiter kritisch darüber nachzudenken. Die Show nutzt gekonnt ihre Plattform und Bekanntheit, um genau das auf meist satirische Art und Weise zu tun. Trotzdem ist für ausreichend Drama gesorgt, was den Entertainment-Wert dieser Show ausmacht. Auch nach mittlerweile 14 Staffeln (13 Staffel auf Netflix Deutschland verfügbar), nimmt die frühere Nischenkunstform Drag Visibilität in der Popkultur an – und das zu Recht!

Neben der gesellschaftskritischen Funktion, die die Show erfüllt, machen viele weitere Faktoren die Show so erfolgreich. Das Credo „Du bist gut so wie du bist“ zieht sich durch alle Staffeln. Viele der Kandidat*innen haben von Schicksalen geprägte Lebensgeschichten, die sie zu den Menschen machen, die sie heute sind. Man kann sich kaum vorstellen, was viele der Teilnehmer*innen durchmachen mussten, denn Drag zu leben und nicht den heteronormativen Vorstellungen der Gesellschaft zu entsprechen, macht oder machte der Mehrheit der Teilnehmer*innen zu schaffen. Immer wieder werden aktuelle Vorkommnisse aus den Communities diskutiert, so wurde beispielsweise in Staffel neun die schreckliche Schießerei in einer schwulen Bar in Orlando, Florida thematisiert. (Übergang zum nächsten Absatz?)

Was jede*r von uns von RuPaul’s Drag Race lernen kann

Die Show strahlt eine Atmosphäre von Akzeptanz und Anerkennung aus, die in das Leben der Zuschauer*innen projiziert wird. Es wird deutlich das jede*r eine Daseinsberechtigung hat und niemand mit seinen spezifischen Päckchen alleine ist. Jede*r Kandidat*in erfüllt eine Vorbildfunktion in der Show und RuPaul erinnert nur sehr gerne daran, dass es hier um viel mehr als nur um einen selbst geht. Obwohl RuPaul’s Drag Race eine Reality TV-Show ist, ist dies kein Ausschlusskriterium dafür, dass die Serie einen wichtigen Bildungsauftrag hat. Durch Gesellschaftskritik, das Leben von Vielfalt und dem Ausdruck von Zugehörigkeit, hat die Show das Potential auch weit außerhalb der Filmstudios in Los Angeles (jungen) Zuschauer*innen zu zeigen, dass sich niemand für sich selbst schämen sollte.

Insbesondere in einer Welt in der gerade heute Vielfalt, freie Liebe und Andersartigkeit gefährdet sind, ist es besonders wichtig, dass es Shows wie diese gibt. Shows, die sichtbar sind und all das, was durch beispielsweise Intoleranz, Populismus, Homophobie und Transphobie gefährdet ist, weiter feiert und lebt. RuPaul’s Drag Race leistet einen wichtigen Beitrag dazu die Welt ein wenig toleranter und bunter zu machen.

Schließen wir heute mit den gleichen Worten mit denen RuPaul jede Folge von RuPaul’s Drag Race schließt. Sie verdeutlichen all das, wofür die Serie steht:

„If you can’t love yourself, how in the hell you gonna love somebody else?”

RuPaul

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