„Ich war, ich bin, ich werde sein!“

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Am 15. Januar 1919 wurden die Politiker:inn:en Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Freikorpssoldaten ermordet.

Zu Beginn der Novemberrevolution 1919 – der Erste Weltkrieg war gerade verloren und es begannen Aufstände gegen das Kaiserreich – wurden aus ehemaligen Frontsoldaten die militärischen Freikorpsgruppen gebildet. Sie bekämpften weiterhin auch nach Abdankung des Kaiser Willhelms II die noch andauernden Aufstände, auch als bereits eine Übergangsregierung gebildet wurde.

Die Freikorps bestanden aus fast einer halben Millionen Männern. Kleine Freikorpsgruppen waren dabei zwischen 2000 und 10.000 Soldaten groß. Ihre Infanterie- und Kavallerieeinheiten waren mit Maschinengewehren und Minenwerfern ausgestattet. So wie auch die Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division, die Rosa Luxemburg erschossen.

Am 10. November 1919 wurde eine Übergangsregierung aus jeweils drei Mitgliedern der SPD und der USPD gebildet, bevor die Weimarer Republik ausgerufen wurde. Der Freikorpsoffizier Papst, der zu der Zeit bereits unter SPD Politiker Noske agierte, gab den Befehl zur Ermordung von Rosa Luxemburg. Bis zu seinem Tod war Papst der festen Überzeugung, dass die Ermordung Luxemburgs gerechtgfertigt war. 1962 sagt Pabst erstmals in einem Spiegel-Interview, er ließ Rosa Luxemburg ,,richten“.

Rosa Luxemburg war ehemals selber SPD-Poltikerin, bereits bevor das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt wurde. Sie brach jedoch entgültig mit der SPD als diese 1914 zur Zeit des Deutschen Reichs sogenannte Burgfriedenspolitik betrieb. Alle politischen Ziele sollten auf Grund eines vermeintlichen Angriffs Russlands und drohenden Krieges eingestellt werden. Auch die Gewerkschaften beendeten die Kämpfe zur Forderungen nach höherem Lohn. Deutschland wurde aufgerüstet. Am 14. August erklärte die SPD ihre Zustimmung zu den Kriegskrediten.

Am selben Tag versammelte Rosa Luxemburg eine kleine Gruppe von Kriegsgegner:innen bei sich zu hause. Jedoch war ein großer Teil der Bevölkerung von den falschen Feindbildern überzeugt, was ein starkes Patriotimusgefühl erzeugte. In Brandenburg gab es einige junge Kriegsgegner:innen die Flugblätter verteilten. Wie z.B. auch Folgendes:

„Ihr ungezählten Millionen Aus Schacht und Feld, aus Stadt und Land, Ihr seid nun Futter für Kanonen, Die schuf des Proletariers Hand! Jetzt schießt man auf den Bruder gern, Weil es der Wunsch der hohen Herrn! Vernichtung vieler Menschenleben, Das ist das Ziel, das wir erstreben. Das nennt man jetzt den heil’gen Krieg, Mit uns das Volk, mit uns der Sieg!“

Rosa Luxemburg, die bereits zuvor wegen ,,Majestätsbeleidigung“ und ,,Anreizung zum Klassenhass“ ins Gefängnis musste, wurde erneut inhaftiert, als sie aufrief, den Kriegsdienst zu verweigern. Zu Beginn des ersten Weltkriegs dann wurde ihre Inhaftierungszeit verlängert. Wovor sie gewarnt hatte, musste sie sich nun durch die Gefängnisgitter anschauen. Sie schaffte es dennoch einige Briefe herauszuschmuggeln, die dann unter anderem als Artikel veröffentlicht wurden. Im November 1919 wurde sie entlassen und gründete mit Karl Liebknecht die KPD. Anfang Januar 1919 mussten sich die beiden während des Spartakusaufstands, den Rosa Luxemburg nicht unterstützte, verstecken. Am 15. Januar wurden sie gefunden, beleidigt, misshandelt und ermordet durch die Freikorps.

Der Sarg ihrer Beerdigung am 25. Januar blieb leer, denn ihre Leiche wurde erst Ende Mai gefunden. Nach ihrer Ermordung warf man sie in den Landwehrkanal. Auch die Nachrichten berichteten zunächst eine völlig falsche Geschichte über die beiden Politiker:innen. Sie seien aus dem Gewahrsam geflohen, Luxemburg soll von einer Menschenmasche niedergestochen worden sein.

Keiner der Offiziere wurde wegen des Mordes überhaupt auch nur angeklagt. Einzig und allein gab es geringfügige Strafen, für die jenigen, die Luxemburgs Leiche in den Kanal geworfen, sie jedoch nicht ermordet hatten.

Rosalia Luksemburg, wurde am 5. März 1871 in Zamość, dem russisch-besetzten Teil Polens, in einer Arbeiter:innenfamilie geboren. Die jüdische Familie zog 1873 in die Hauptstadt Warschau, wo Luxemburg dann zur Schule ging.

Sie lernte gerne Sprachen und konnte Deutsch, Polnisch, Russisch, Latein und Altgriechisch. 1884 kam Luxemburg auf ein Gymnasium und begann sich politisch zu engagieren.

Nachdem sie das Abitur als Klassenbeste bestand, musste sie wegen ihrer Mitgliedschaft in der ,,regierungsfeindlichen“ aktivistischen Gruppe des Proletariats, die sich Marx Werke zum Vorbild nahm, aus Warschau fliehen. Sie ging 1889 in die Schweiz und studierte dort unter anderem Philosophie, Mathematik, Rechtswissenschaft oder Staatswissenschaften. Auch war Luxemburg Gründerin der Zeitschrift „Sprawa Robotnicza“, was auf deutsch so viel Arbeitersache bedeutet. Sie rief dazu auf, die kapitalistische Wirtschaftsordnung, die auf Eigentum und Konsum beruht, sowie die Monarchien in ganz Europa zu stürzen.

1893 gründete Luxemburg die Partei SDKP (Sozialdemokratie des Königreiches Polen). Um sich besser für den von Deutschland besetzten Teils Polen engagieren zu können, trat sie der SPD bei und zog 1898 nach Berlin. In der SPD nahm sie zusammen mit Karl Liebknecht die internationalistischen und antimilitaristischen Positionen ein. Rosa Luxemburg wurde zur Chefredakteurin der Sächsischen Arbeiterzeitung.

Als eine der wenigen politisch aktiven Frauen stieß sie selbst in den linken Reihen der Politik auf viele Vorurteile. Anti-semitische Diskriminierung erlebte sie ebenfalls. Trotz all dem ließ Luxemberg sich niemals ihre Stimme nehmen und setzte sich ihr Leben lang für mehr Gerechtigkeit ein.

In der 29. Ausgabe der Zeitung ,,Die Rote Fahne“ schrieb sie am 14. Dezember 1918:

„Das Wesen der sozialistischen Gesellschaft besteht darin, daß die große arbeitende Masse aufhört, eine regierte Masse zu sein, vielmehr das ganze politische und wirtschaftliche Leben selbst lebt und in bewußter freier Selbstbestimmung lenkt.“

An Sonja Liebknecht schrieb sie:

„Sonjuschka, Liebste, seien Sie trotz alledem ruhig und heiter. So ist das Leben, und so muß man es nehmen, tapfer, unverzagt und lächelnd – trotz alledem.“

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